Porzellanhochzeit bei den Windsors

Das britische Königspaar hat Grund zum Feiern: Vor zwei Jahrzehnten hat es nach langem Warten geheiratet. Für die Zufriedenheit seiner Ehefrau hat der Monarch kurz vor ihrem 20. Jubiläum tief in die Tasche gegriffen.

Von Sarina Bosshard

Ihre Liebe schlug einige Umwege ein, doch sie hat es geschafft: Am 9. April 2025 begehen König Charles III. (76) und Königin Camilla (77) ihren 20. Hochzeitstag. So holprig ihr Weg dahin war, umso harmonischer ist ihre Ehe heute. 

Ihr Liebesgeheimnis ist dabei ausgerechnet Distanz. «Sie verbringen tatsächlich ziemlich viel Zeit getrennt», erzählt Royal-Expertin und Autorin Ingrid Seward (77) gegenüber britischen Medien. Gemäss der Chefredaktorin des «Majesty ­Magazine» zieht sich die Königin an den Wochenenden und in den Sommerferien regelmässig auf ihren privaten Landsitz, Ray Mill House in Wiltshire, zurück. 

Mit Charles habe sie vor ihrer Hochzeit die Abmachung getroffen, dass sie ihren Zufluchtsort behalten dürfe. Diesen hat sie 1995 nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann gekauft. «Wenn sie kann, fährt sie jedes Wochenende hin. Auch im Sommer zieht es sie auf den Landsitz, wo sie Zeit mit ­ihren Enkeln und Kindern verbringen kann. Es ist ein Ort, der von der ganzen königlichen Welt weit entfernt ist», so ­Seward. Für die Königin bedeutet das, den strengen Sicherheitsvorschriften und dem Personal zu entkommen – sprich: Sie geniesst ein ­Gefühl von Normalität. 

Teures Geschenk

Dass Camilla ihre Ruhe rund zwei Autostunden entfernt von London geniessen kann, ist auch Charles wichtig, wie sein jüngster Immobilienkauf beweist. Denn kurz vor ihrem Hochzeitstag macht er ihr ein grosses Geschenk. Angrenzend an ­ihren Rückzugsort sollte eine alte ­Mühle verkauft und für Hochzeitsfeiern genutzt werden. Mit der Stille, die Camilla so schätzt, wäre es damit vorbei gewesen. Ihr Mann weiss das zu verhindern, indem er die alte Mühle kurzerhand selbst kauft. Umgerechnet rund 3,4 Millionen Schweizer Franken blättert er dafür aus seinem Privatver­mögen hin – zur grossen Erleichterung und Dankbarkeit von ­Camilla. Die alte Mühle wird nun an einen «sicherheitsüberprüften Mieter» vergeben, der für eine «angemessene» Nutzung sorgen wird.

Die Britin kann also wie gewohnt Kraft auf ihrem Landsitz tanken. Denn diese braucht sie. Gerade in den letzten Jahren war sie Charles eine besonders grosse Stütze. Der britische Monarch musste nicht nur den Verlust seiner Eltern verkraften, sondern auch den Bruch mit seinem jüngeren Sohn, Prinz Harry (40). Während dieser schweren Zeit stand ­Camilla stets an seiner Seite. Vergangenes Jahr folgte ein weiterer Schock: Der König erkrankte an Krebs. Seitdem steht ihm ­Camilla stets bei. Gerade jetzt braucht er ihre Unterstützung und ihre Liebe sehr. Wegen Nebenwirkungen seiner bis heute andauernden Krebstherapie musste er vor wenigen Tagen ­vorübergehend zur Beobachtung ins Spital. Einige seiner öffentlichen Termine wurden abgesagt. Glücklicherweise durfte er aber wieder nach Hause ins ­Clarence House in London.

Dort leben Camilla und Charles unter der Woche. Die gemeinsame Zeit geniessen sie so umso mehr. Immer wieder sieht man den König und die Königin gemeinsam lachend bei Terminen oder wie sie sich Blicke voller Liebe zu­werfen.

Ein langer Weg

Camilla war schon immer da. Kennen­gelernt hat sich das heutige Königspaar 1970 bei einem Polospiel in Windsor. Ihre Leidenschaft für Pferde und ihre Liebe zur ­Natur brachten die beiden sofort zusammen. Sie verliebten sich mit Anfang 20 und wurden ein Paar. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für sie. Als Heiratskandidatin kam Camilla ­damals nicht in Frage für den Thronfolger. Als er zur Royal Navy ging, trennten sie sich. ­Camilla heiratete 1973 den hochrangigen Offizier der britischen Armee Andrew ­Parker Bowles (85). Die beiden bekamen zwei Kinder. Der Prinz von Wales seinerseits gab 1981 vor einem Millionenpublikum Lady Diana Spencer (1961–1997) das Ja-Wort. Gemeinsam bekamen sie die Kinder Prinz William (42) und Prinz Harry (40). 

Doch Camilla und Charles konnten einander einfach nicht vergessen. Es scheint, als hätten sie sich schon damals auf ­Distanz geliebt. Noch während sie anderweitig ­verheiratet waren, liessen sie sich auf eine Affäre ein. Diana klagte einst, sie seien zu dritt in ihrer Ehe gewesen. Beide Paare ­liessen sich schliesslich scheiden. Seine Liebe zeigte das heutige Königspaar aber erst nach dem tragischen Unfalltod von Prinzessin Diana öffentlich. Anfangs hatte Camilla einen schweren Stand beim britischen Volk. Doch das Paar liess sich ­davon nicht beirren, kämpfte weiter. Am 9. April 2005 – das Datum sollte 2021 auch der Todestag seines Vaters Philip († 99) ­werden – war es dann so weit: Im ­Rathaus von Windsor gingen Charles und Camilla nach langer Wartezeit endlich den Bund der Ehe ein. Seitdem geniesst das Paar sein Liebesglück. «Es ist wunderbar, wenn man jemanden hat, bei dem man das Gefühl hat, er versteht und unterstützt einen. Auch wenn sie sich definitiv über mich lustig macht, wenn ich Dinge zu ernst nehme», schwärmte Charles einst in einem CNN-­Interview über seine Ehefrau.

Staatsbesuch statt Romantik

Sein schönstes Jubiläum verbringt das Paar nicht zu Hause in Grossbritannien. Vom 7. bis 10. April sind die beiden in Italien. Nicht aber etwa für einen roman­tischen Kurztrip. Für sie ist beim Staatsbesuch Arbeit angesagt. Auf dem Programm stehen etwa ein Besuch im italienischen Parlament und ein Empfang zum 80. Jahrestag der Befreiung der Provinz Ravenna durch die alliierten Streitkräfte. Die Romantik muss da vorerst pausieren. Eigentlich war auch eine Audienz bei Papst Franziskus (88) geplant. Wegen seines Gesundheitszustands wird diese jedoch verschoben. Dabei hätte sich mit dem Besuch ein Kreis geschlossen. Schon 2005 befand sich Charles zu diesem Zeitpunkt im Zentrum der römisch-katholischen Kirche. Er nahm an der Beerdigung von Papst Johannes Paul II. (1920–2005) teil. Deswegen musste sogar seine Hochzeit um einen Tag verschoben werden.

Doch am Ende haben König Charles III. und Königin Camilla jedes Hindernis überwunden. Vielleicht finden sie ja doch einen ruhigen Moment, um bei einer ­Pizza ihre Liebe zu feiern